Komm



„Komm“, sagte er leise. Doch ich wollte noch nicht. „Komm“, sagte er noch einmal leise. Dieses leise „komm“ war deutlich und kraftvoll. Doch ich wollte nicht. Es war noch früh am Abend und mein Kopf war voll von Dingen, die erledigt werden mussten. Da war dieses zarte „komm“ keine angenehme Einladung.

Die anderen Stimmen waren drängender: Post, die noch verräumt werden wollte. Eine E-Mail, die vielleicht wichtig sein könnte. Der Tagesplan für morgen, damit alles reibungslos klappt. Aber dieses leise „komm!“ war ein ständiger Begleiter. So tat ich zwar alles, aber nur mit halber Kraft. Das ständige Weghören verlieh zudem allem einen grauen Schleier. Aber mein Verstand hielt mich aufrecht.

Dann war ich soweit: Ich wollte mich seinem „komm“ hingeben. Nur noch schnell die Abendroutine und jetzt sollte es soweit sein. Doch nun war es zu spät. Der lang verschmähte Gast war verschwunden. Seine Einladung galt nicht mehr. Das leise „komm“ des Schlafes war verschwunden.

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