Ein Weihnachtsmärchen


In diesem Jahr freut sich das Weihnachten.

Meist macht es sich ja vor dem Rummel-Dämon ganz klein und versteckt sich.

Der Rummel-Dämon kommt nämlich auch jedes Jahr. Im Dezember kriecht er aus seiner Schmuddelecke und macht sich dann ganz groß. Man erkennt ihn daran, dass er immer „auch das noch“ will. „Auch das noch“ könnte ich kaufen. „Auch das noch“ muss erledigt werden. „Auch das noch“ kommt dazu und so weiter. So macht sich der „Auch das noch“-Rummel-Damon ganz groß und wichtig. Und darum macht sich das Weihnachten immer ganz klein. Ihm geht es nämlich um die feinen Töne und nicht um das grobe Poltern. Klar, es mag auch gern mal einen schönen, wärmenden Glühwein oder Plätzchen. Aber doch nicht gleich eine Tonne voll oder jeden Tag oder schon drei Monate vorher. Weihnachten ist eher ein kleiner, stiller Genießer.

Ganz so allein wie 2020 hat es sich das zwar nicht vorgestellt. Hin und wieder mal eine kleine Entschlackungskur ist sicher nicht schlecht, denkt es sich. Und dann, wenn der Auch-das-noch-Dämon, mal nicht so groß ist und keinen großen Rummel macht, muss sich das kleine Weihnachten endlich nicht mehr verstecken. Und vielleicht kann es dann endlich auch wieder weiter in das neue Jahr hineinstrahlen. So wie früher einmal. Das war immer sehr schön. Dann könnte sich unser kleines Weihnachten endlich mal wieder richtig räkeln und strecken. Meist hat ja der Rummel-König noch seine komischen Verwandten mit aufgeweckt: den knalligen Silvester und den dauergrinsenden Fasching. Aber die haben in der Saison ja auch Zwangspause. Mal sehen, vielleicht kommen die auch mal wieder auf ihr Normalgewicht zurück.

Zumindest in diesem Jahr freut sich unser Weihnachten, weil es sich nicht gegen Hotzenplotze und Knaller wehren muss.

Und darum hat es jetzt schon den Kindern ein paar freie Tage mehr geschenkt.

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